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Man wünscht, daß alle hinabgebückt werden, weil man sich selbst nicht aufschwingen konnte





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So entsteht der Überdruss, die Unzufriedenheit mit sich, das Schwanken einer haltlosen und gehaltlosen Seele, die mit ihrer freien Zeit nichts Rechtes anzufangen weiß. Man schämt sich, den Grund der Verstimmung einzugestehen, das Schamgefühl ist eine innerliche Folter, und die verschlossenen Leidenschaften, die sich nicht austoben können, würgen gleichsam sich selbst ab. Daher der Gram und das Dahinsiechen, das tausendfache Wogen eines unbeständigen Gemüts, das bei jedem Unterfangen aufgeregt, bei jedem Misslingen völlig niedergeschmettert ist. Darum verwünschen sie ihre Muße und klagen, daß sie nichts zu tun haben, daher der bittere Neid, wenn andere emporkommen.
Das unselige Nichtstun nämlich nährt die Missgunst; man wünscht, daß alle hinabgebückt werden, weil man sich selbst nicht aufschwingen konnte. In dieser Abneigung gegen das Emporkommen anderer und am eigenen Glücke verzweifelnd, zürnt man das Geschick, klagt über den Zeitgeist, zieht sich in einen Winkel zurück, nagt an seiner eigenen Nichtigkeit und ist sich selbst zur Last und zum Ekel.
[Seneca - Vom glückseligen Leben , S. 36]

Bilder: Hermann Erber, outdoor-foto.at

11.6.09 18:43
 



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