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Die Wende


Schau bua, so mocht ma des




Ok, aller Anfang war schwer. Alles begann mit einer TV geprägten katholisch-österreichisch, bürgerlichen Mittelschichtskindheit. Recht früh schon fielen mir soziale Charakterunterschiede zwischen der Ex-Problemschule BRG Wien 16 und der NÖ Provinz auf.
Daraus entwickelte sich im Lauf der Jahre ein Mix aus Christlichsozial und Rot, also eine nicht näher bestimmbare Mir-alleswurscht-Liberalität. Diese formte sich in meinen Zwanzigern zu einer Linksliberalen (bzw. Linkslibertären) Denke, woraus sich eine gewisse Solidarität mit den Unterschichten ergab. Nie saß ich im Phil, im Prückl oder sonst wo in Boboville herum, sondern fühlte mich an Orten der Unterschicht, der Millennium City, im Donauplex wohler. Dem Bobo Mainstream anpassen? Je ferner die Umwelt meiner tatsächlichen Lebensumgebung, desto besser. Zusätzlich begann ich mit einem Mannschaftsport um einer Kopflastigkeit durch archaische Abläufe entgegenzuwirken. Die Wiener Hobbyeishockeyszene bietet dafür beste Bildungsferne Unterschichtsvoraussetzungen, ja für mich sogar noch besser: Auffällig viele aggressiv-autoritäre Charaktere umgaben mich plötzlich. Sehr gut, ich bin eine Insel.
Ja, so dachte ich.

Doch dann, die Wende.
Aus einer gewissen Strukturiertheit der Lebensumstände heraus ergab sich eine schrittweise Verschiebung dieser Ansichten:
Nachdem ich mich das x-te Mal von Schwachsinn (laut) redenden, rauchenden, in sich hineinschlingend-schmatzenden und nach Achselschweiß riechenden Zeitgenossen in meinem Müßiggang gestört fühlte,
nachdem ich das x-te Mal von einem Muskelshirt tragenden, Goldbehängten, Fitnesscenter gestählten Alphatier im Riesen BMW mit 2m Heckspoiler auf der Ottakringerstrasse als Radfahrer um ein Haar getötet wurde,
nachdem ich zum x-ten Mal einen der immergleichen Homo-, Xeno- oder sonst was phoben Witz in der Hockeykabine gehört hatte,
nachdem mir der, über verschiedene politische und soziale Lager hinweg gleiche Österreichische Common Sense bewusst wurde,
nachdem die Bildungsferne Mittelschichts Ö3-, News-, 88.6-, Krone Hit- und sonst was Welt von mir nicht mehr achselzuckend akzeptiert, sondern für böse gehalten wurde,
nachdem ich feststellte, dass es außer Ö1, bestimmten Verlagen und spärlich gesäten Feuilletons in Österreich eigentlich nichts mehr gibt, dass den liberal-intellektuellen bzw. jüdischen Geist des Österreich vor 1938 atmet,

begann mir ein Großteil der Menschen dieses Landes unsäglich auf die Nerven zu gehen.

31.5.08 20:00
 



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