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1.11.07 15:55



Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten



























Textstelle aus "Die Erben der Tante Jolesch" von Friedrich Torberg:

"Neuer Fick-Rekord"

[S. 200, dtv 1644]
























So aber dient Scoglio Pomo einer Gesellschaft debiler Graf Bobbys, überfressener Damen und holländischer Bohnenkönige als mondäner Kurort. Es geht bunt und prunkvoll zu in diesem sagenhaften Atlantis des liebenswert vertrottelten Österreichertums: Man pflegt seine Marotten und lebt seinen Spleen, man feiert Bälle auf Geisterschiffen, bis der Zauber endlich schwindet, dann liegt man im Wasser. Als die britische Flotte auch noch die letzten Reste der Märcheninsel in Trümmer schießt - ein bedauerlicher Irrtum - und dem greisen Kaiser sein Würstelfrühstück verdirbt, ist das Schicksal dieses Traumreichs endgültig besiegelt.
[...]
























Nach meinen Reisen nach Japan und China wurde mir unter anderem die Ambivalenz der westliche Individualgesellschaft bewusst. Themen wie Freiheit, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, und Unabhängigkeit die zunehmend durch Globalisierung und drohende Terrorgefahr an Relevanz verlieren. Machtverschiebungen von politischen Entscheidungsträgern hin zu Lobbyisten, mediale Manipulation, Einschränkung der persönlichen Freiheiten durch zusätzliche Vorschriften und Kontrollen, zunehmende Verarmung und akuter Bildungsnotstand als Nährboden für jede Art von Polarisierung in der Bevölkerung.

Das Individuum wird reduziert auf Äußerlichkeiten, Leistung und Status.
[...]


























„Wir wollen Sie hineinführen in ein Land, das im Jahre 1977 noch nicht überschwemmt ist von Fremdenverkehr und Technik, aber auch noch nicht erlegen ist der Hast der Manager und all derer, die damit zu tun haben.“



So wird in dem Buch auch Folgendes über die Waldviertler Bevölkerung aus dem „Donauländchen“ zitiert:
„Das Volk dort ist mittelgroß, hager, blond, blauäugig, mit großer Kinderschar, in niedrigen Häuschen mit kleinen Fenstern, TBC anfällig und durch das Rauchfleisch (Geselchtes) oft magenkrank. Die kleinen Kinder müssen zur Beruhigung einen Mohnlutscher bekommen, schon früh arbeiten und der Schulbesuch ist schlecht. Trinkwasser und Jauche hemmen im Gemenge die Gesundheit. Das Volk ist religiös. Wallfahrten nach Maria Taferl und Mariazell – zu Fuß natürlich – gehören zum Jahresablauf.“
[...]

























Die Zweite Religiosität ist eine Art von Trostmittel für die machtlosen Massen der zivilisatorischen Spätzeiten. Die Fellachenvölker werden in der Zeit des so genannten Weltfriedens in Menge hingemordet, aber verzichten selbst auf Gewaltanwendung. Sie ergeben sich in ihr Schicksal und suchen Zuflucht bei Formen der Religiosität, die sie in der Frühzeit ihrer eigenen Kultur vorfinden. Aufklärung und Rationalismus haben zwischenzeitlich die Menschen der Religion entfremdet und den Versuch unternommen, sie zur Mündigkeit und Freiheit zu erziehen. Mit dem Niedergang der Freiheitsidee jedoch ist auch der Rationalismus diskreditiert und der Hunger nach Metaphysik meldet sich wieder.

Kennzeichen der Zweiten Religiosität ist eine demütige Annäherung an den Mythos der Vorzeit, eine Reprimitivierung in den Religionsformen und die Neigung zum Synkretismus. Die Zweite Religiosität ist die anorganische, künstliche Form der ursprünglichen Religion. Sie schlägt den Menschen, der ihr nachhängt, nicht weniger intensiv in Bann (Spengler meint, in spätesten Zeiten werden die Menschen sämtlich wieder fromm, wie im spätantiken Ägypten, im heutigen Islam sichtbar). Aber sie weist keine zukunftsfähigen Merkmale mehr auf.
[...]
























Da sitze ich nun im Wartezimmer der Kinderärztin, links die Mama, rechts ein rotznasiger Zappelphilipp. Und mir gegenüber thront er: ein gut aussehender Blondschopf, vielleicht dreizehn, vierzehn Jahre alt ­ und verflucht gut aussehend. Das denke ich jedenfalls, obwohl ich fast ein ganzes Jahrzehnt jünger bin und nicht wirklich weiß, was es bedeutet, schön zu sein.
[...]

























Ø Last FM Open Mind Index by listeners country

country OMI Ø mean

Puerto Rico 107.32
Holy See (Vatican City State) 106.87
Afghanistan 106.57
Svalbard and Jan Mayen 105.68
Moldova, Republic of 104.16
Andorra 103.77
China 103.43
Belarus 103.29
Montenegro 102.61
Serbia 102.44
Ukraine 101.84
Antarctica 101.47
Bosnia and Herzegovina 101.08
Viet Nam 100.67
Greece 100.39
Russian Federation 100.34
Korea, Republic of 100.26
Lithuania 100.25
Iran, Islamic Republic of 100.19
France 100.12
Hungary 100.07
South Georgia and the South Sandwich Islands 99.81
Georgia 98.82
Latvia 98.77
Turkey 98.62
Romania 98.55


8.11.07 21:55



IMPORT EXPORT, das Donauplex, die Millenniumscity und das Urchristentum





















Zu Ihren Figuren wird oft geschrieben, Sie brächten Extreme menschlichen Verhaltens auf die Leinwand. Sie selbst dagegen betonen öfters, es handle sich um ganz typisches menschliches Verhalten. Können Sie diesen Widerspruch auflösen?

Ich finde nicht, dass ich Extreme zeige, sondern mitunter alltägliche Dinge, die sehr viele Menschen und sehr viele Bereiche der Gesellschaft betreffen. In IMPORT EXPORT geht es um die Geriatrie, um die Arbeitslosigkeit, um die Versuche, als junger Mensch einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Das ist etwas Alltägliches für mich.
Nochmals Feinstein. Er meint, Sie machen Leute sichtbar, die man sonst nicht sieht: exzessive, obsessive Charaktere. Da muss ich widersprechen, das finde ich überhaupt nicht. Welche Figur von IMPORT EXPORT sollte das sein, die man sonst nicht sieht? Wenn Sie sich in einem bestimmten Milieu bewegen, wenn Sie in das Donauplex , in die Millenniumscity oder in ein Shoppingcenter gehen, und genauer hinsehen, werden Sie diese Leute kennen lernen. Wenn Sie sich unter jugendlichen Arbeitslosen umschauen, dann werden Sie viele Typen wie den Pauli aus meinem Film finden.
[...]























Indem Ulrich Seidl solche oft verdrängte Wirklichkeit ins - formal stilisierte - Bild rückt, zeigt er hinter aller sozialen Tristesse aber auch die Sehnsucht nach einem besseren, humanen Leben auf. Der Regisseur selbst sieht sich als vom Urchristentum geprägt.
[...]
























Dem politisierenden Intellektuellen geht es also letzten Endes gar nicht um Politik, sondern um Sinn und Bedeutung. Und folglich kann er nicht Verantwortungsethiker, sondern muß Gesinnungsethiker sein. »>Verantwortlich< fühlt sich der Gesinnungsethiker nur dafür, daß die Flamme der reinen Gesinnung, die Flamme z. B. des Protestes gegen die Ungerechtigkeit der sozialen Ordnung, nicht erlischt. Sie stets neu anzufachen, ist der Zweck seiner, vom möglichen Erfolg her beurteilt, ganz irrationalen Taten, die nur exemplarischen Wert haben können und sollen« (Politik als Beruf). Was Weber die »geschulte Rücksichtslosigkeit des Blickes in die Realitäten des Lebens« nennt »und die Fähigkeit, sie zu ertragen und ihnen innerlich gewachsen zu sein«, ist dieser Intellektuellen Sache nicht.
[...]

11.11.07 21:04



Aber freuet euch, ein neues Manuva Album kommt bald!





11.11.07 21:55





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