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Die Perspektive der Rausrationalisierten







In einer "Schlacht der Wörter" werfen sich die verzweifelt ihre Verzweiflung kaschierenden Nadelstreif-Herren und Businesskostüm-Damen die Begriffe gegenseitig an den Kopf, mit denen sie jahrelang selbst Konzernstrategien und Menschenschicksale bestimmt haben. "Das Effizienzprinzip hat einen Namen", schreibt Rolf Hochhuth und nennt ihn schon im Titel seines umstrittenen Stücks "McKinsey kommt" (2004), das ebenfalls aus der Perspektive der "Rausrationalisierten" gegen ein Wirtschaftssystem polemisiert, das den Abbau von Arbeitsplätzen zum Maß aller Dinge erhebt, und den "Propheten der Effizienz" Milliarden an Beraterhonoraren bezahlt. Wo Konzepte, Unternehmensziele, Sparpotenziale ständig umformuliert oder neu definiert werden, bilden sich schwer durchschaubare, rasch wechselnde Konstellationen von Gruppen-, Sektions- und Sachgebietsleitern; über Nacht kann sich alles wieder ändern, und neue Herausforderungen lachen den Gekündigten wie den noch nicht Gekündigten entgegen. Kathrin Röggla hat in ihrem protokollarischen Romanbericht "wir schlafen nicht" (2004) eine der Folgen beschrieben: Was pure Selbstausbeutung ist und gern als Workaholic-Syndrom bezeichnet wird, ist nackte Existenzangst, "es" bald nicht mehr zu bringen. Die Konkurrenz - auch am Arbeitsmarkt - schläft nicht.

Wie sich das Biotop Büro unter diesem Dauerdruck verändert, untersucht Margit Hahn in ihrem Erzählungsband "Totreden". Umstrukturierungen fordern immer Opfer im doppelten Wortsinn. Es gibt die, die auf den Abbaulisten stehen, und es gibt die, die nicht darauf stehen, also Opfer bringen müssen, damit das auch so bleibe. Strategisch denken, heißt die Devise, und das meint primär, die richtigen Allianzen schmieden, gekonnt intrigieren und geschicktes Eigenmarketing betreiben: Dynamische Jugendlichkeit, gepflegte Kleidung, gesunde Bräune, schlanke Silhouette, das sind die Musts, die genderübergreifend ein Terrorsystem über die Leiber und Gemüter der Menschen errichtet haben. Zu alt kann Mann wie Frau eben schon mit 35 sein, und erhöhte Cholesterinwerte gilt es ebenso zu verbergen wie private Probleme. Den Generalbass liefert die Angst, bei der nächsten Restrukturierung auf der falschen Seite zu landen, und die macht auch bei Hahn vor den Top Dogs nicht halt. Wie Fallbeispiele rollen die Erzählungen die Ängste und Kämpfe und deren psychische Folgekosten auf - aus wechselnden Perspektiven und mit dem scharfen Blick für die differenten Verhaltensmuster von Männern und Frauen.

...

In der Realität erfolgt dieser Wechsel der Fronten häufiger in die andere Richtung. Schließlich arbeitet ein Großteil der freiberuflich tätigen Trainer der diversen Schulungsprogramme genau in jenen prekären Arbeitsverhältnissen, aus denen man so rasch wie folgenschwer in die Rolle der Sozialhilfeempfänger rutschen kann.



[...]


5.7.06 13:20


15.7.06 14:19



Weltverschwörung?






Bei der Betrachtung der Weltlage fällt es schwer, nicht an Verschwörungstheorien zu denken.


Die gegenwärtig zu beobachtenden Entwicklungspfade der Menschheitsgeschichte erscheinen dermaßen erschreckend und hoffnungslos, dass man fast geneigt ist, das vorsätzliche Wirken des Bösen oder irgendwelcher dunkler Mächte zu vermuten.

Dies ist natürlich Unsinn, denn:



Die gegenwärtigen globalen Krisensyndrome der Menschheitsentwicklung sind die Konsequenz der aktuellen Systemrationalität von Ökonomie und Politik, deren Handlungslogiken schon immer komplementär miteinander verknüpft waren, sich heute aber geradezu perfekt ergänzen.


Zentrale Steuerungsvorgaben:
Doktrin des Neoliberalismus



Der hohe Wirkungsgrad des Neoliberalismus ist damit zu erklären, dass er in besonderem Maße den Erfordernissen der Politischen Ökonomie entgegenkommt.

Unter „Politischer Ökonomie“ verstehe ich einerseits den Prozess der Produktion „politischer Güter“ sowie andererseits jene ökonomischen Theorien, welche diesen Prozess beschreiben und erklären.



Politische Ökonomie erklärt (unter anderem) den Nutzen oder Ertrag, welche politische Aktivitäten für die Herrschenden, also die Politiker selbst, produzieren. [...]






















„Der Sinn der (kapitalistischen) Ökonomie liegt darin, keinen anderen Sinn mehr anzuerkennen als den, der ihr selbst zugrunde liegt und das bedeutet, alles dem Markt-Code ,Zahlen‘/,Nicht-zahlen‘ zu unterwerfen. Die viel beklagte Ökonomisierung aller Lebensbereiche ist nur ein Beispiel für die Durchdringung aller Segmente der Gesellschaft mit dem Sinnkriterium der Wirtschaft, das alle anderen Zielsetzungen menschlichen Handelns außer Kraft setzt.“
[Konrad Paul Liessmann, 5. Wiener Karl Kraus Vorlesung]
























Die meisten meiner Mitschüler waren nach berühmten Marken benannt. Das war modern, als unsere Eltern jung waren. Man konnte dafür von den Firmen viel Geld bekommen, deshalb rissen sich die Familien regelrecht darum. In den Kinderwagen wimmelte es damals nur so von Babys, die nach Autos, Lebensmitteln, Möbeln oder Parfums benannt waren. Die Mädchen hießen Lancia, Nivea, Novartis, Porsche oder Mazda, die Jungs Gucci, Evian, Hilfiger oder Renault.
Noch schlimmer dran waren die Kinder, die einen unerträglich langen Namen wie GlaxoSmithKline, Time Warner Cable oder Doppelnamen wie Delloitte & Touche trugen. Viele Mitschüler mußten zudem während ihrer Schulzeit mehrfach den Namen wechseln, wenn die von ihnen beworbene Firma verkauft wurde oder gar Pleite ging. Die meisten mochten ihre Namen nicht, aber sie konnten ja nichts dagegen tun. Aus ihren Verträgen kamen sie nicht heraus. Eine Auflösung hätte ein Vermögen gekostet. Wenn sie sich vorstellten, mußten sie außer ihrem Namen oft auch den Slogan aufsagen, wofür es von den Firmen noch mehr Geld gab.
»Hallo, ich bin McDonald’s. Ich liebe es«, stellte sich mir ein Mitschüler vor.
»Schön dich kennenzulernen, ich bin Apple. Think different«, verkündete meine Banknachbarin.
»Hallo. Irvin? Hier ist Vichy, weil Gesundheit auch Hautsache ist«, tönte aus dem Telefonhörer.
Ich selbst bin nur verschont geblieben, weil es diese Mode zu der Zeit, als mein Bruder geboren worden war, noch nicht gab. Ein normaler Name – das ist das einzige, wofür ich ihm dankbar bin. Meine Eltern bekamen schon in der Entbindungsklinik zahlreiche Angebote, aber ihr Entschluß, mich zu einem Ersatzmann zu machen, war stärker.
[...]

18.7.06 22:36



McKinsey kommt






Der Abbau von Arbeitsplätzen wurde zum Maß aller Dinge. McKinsey sei ein Beispiel, sagt Hochhuth. "das symptomatisch für den 'Terror der Ökonomie' überhaupt geworden ist: Die Deutsche Bank (...) hat im erfolgreichsten Jahr seit ihrem Bestehen - 9,8 Milliarden Reingewinn 2001/2002 - sämtliche Filialen mit weniger als acht Angestellten geschlossen und mehr als elftausend ihrer Mitarbeiter hinausgeworfen, was die Bosse mit zynischer Unmenschlichkeit 'freisetzen' nennen. Der oberste Herr Josef Ackermann 'verdient' jährlich 6,95 Millionen Euro. Die Deutsche Bank hat den 'Propheten der Effizienz', der Firma McKinsey 179 000 Beraterstunden mit je 300 Euro bezahlt." [...]
























Ich sage immer: "Zwischen den Unternehmensberatern wie den McKinsey-Menschen und den SS-Männern gibt es keinen Unterschied. Genau die gleiche Logik. Für einen McKinsey-Menschen gibt es keine Menschen."






















Steppans Grundthese: "Unternehmensberater sind keine Problemlöser, sondern das Problem." Die empirische Beweislast ist erdrückend. Denn zu den größten Beratungskunden von McKinsey in den USA gehörte der Energiekonzern Enron. Noch im Jahr 2001 verkündete das McKinsey Quarterly: "Enron hat die Reputation als eines der innovativsten Unternehmen der Welt erworben, indem es die traditionellen Industriestrukturen attackierte und atomisierte". Wenig später kollabierte das Unternehmen, in die Pleite getrieben durch seinen Chief Operating Officer Jeffrey Skilling, ehemals Leiter der McKinsey Energy Practice.























Tatsächlich verfügt die Beratung über das einflussreichste und geheimnisvollste Netzwerk unserer Zeit. Ein britischer Geschäftsmann wurde mit der Einschätzung zitiert, McKinsey sei eine Mischung aus Oxbridge, den Freimaurern und der Mafia. Bob Worcester, Chef des renommierten britischen Meinungsforschungsinstituts Mori behauptet sogar: "Es gibt sicherlich eine McKinsey-Mafia. Es ist weltweit gesehen die unglaublichste Elitegruppe von selbst ernannten unsicheren Überfliegern."... und MetaphernMcKinsey ist mittlerweile weitaus mehr als ein Mythos von Erfolg und Reichtum, beflügelt von einer Mafia einflussreicher Gönner. Für den Spiegel-Reporter Dirk Kurbjuweit personifiziert sie das Effizienzprinzip schlechthin. In seinem Essay Unser effizientes Leben -Die Diktatur der Ökonomie und ihre Folgen (Rowohlt, 2003) sieht er Deutschland auf dem Weg in die McKinsey-Gesellschaft dem grausamen Diktat der Ökonomie und der Effizienz gleichermaßen unterworfen. Kurbjuweit legt den Finger zielsicher in die Wunde. Die sinnentstellte Jagd nach Effizienz vernebelt den Blick für die eigentlichen Prioritäten. [...]

21.7.06 09:58



Zugmann






Es gibt die guten, die bösen und die im jenseits. Fr. Zugmann gehört zu den letzteren. Woche für Woche lässt sie in der Presse einen dermassen hirnverbrannten publizistischen Mist los, der in der dünnen Schale des pseudointellektuellen neoliberalmanagementgeschwafel daherkommt (und damit für den "ernsthaft"-KarriereLounge Leser nicht erkennbar) und wo Weisheiten wie "Wer Spaß hat, hat Energie. Wer voller Energie ist, liefert eine gute Performance. Wer gute Performance bringt, hat Erfolg." an die entfremdete Karriereschar verkauft werden.


Hier ein kleiner Auszug:



Und wer auch im Sommer auf Networking nicht verzichten will, für den sind die zahlreichen hochkarätigen Kulturveranstaltungen ideal. Wer es sich leisten kann, lädt seine besten Kunden zur Premiere oder ins Konzert. Sonst ist man auf den Zufall angewiesen, wen man gerade trifft. Doch gemeinsames Durchschwitzen einer Vorstellung schweißt in jedem Fall echt zusammen.






















Das Thema Work-Life-Balance - die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben - ist nicht nur Gegenstand von semi-esoterischen Lebenshilfe-Seminaren, sondern beschäftigt zunehmend auch ernsthafte HR-Manager. Expertisen zeigen: Mitarbeiter, die Beruf und Privatleben besser unter den Hut bekommen, sind motivierter und leistungsbereiter.























Die Definition von Erfolg ist von Person zu Person unterschiedlich. Für die einen bedeutet er Macht, für andere ein dickes Bankkonto, für Aufmerksamkeitshungrige den Raum, den sie in der Zeitung einnehmen.























Die Balance in einem immer komplexer werdenden Berufsleben zu halten, ist ein permanenter Prozess. Wer seine Kräfte und Ressourcen falsch einschätzt, der sollte lieber die Investition in ein Selbstmanagement-Seminar in Betracht ziehen.


















Dabei ist es auf dem freien Markt erlaubt, gewinnen zu wollen und andere aus dem Feld zu schlagen. Die Macht-Expertin empfiehlt, bei Konflikten eine Inventur der eigenen Waffenkammer vorzunehmen. Freilich ist Kampf nur eine Variante der Macht, doch wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Bauer-Jelinek kennt offene (konfrontieren, attackieren, kritisieren, überraschen, zermürben), passive (schweigen, sich entziehen, blockieren, ins Leere laufen lassen) und verdeckte Kampftechniken (kontrollieren, manipulieren, intrigieren, unterwandern, jammern, sich empören). Wer ist nicht schon einmal mit der einen oder anderen dieser Taktiken in Berührung gekommen?























Da der betriebliche Alltag, vor allem wenn er viele Jahre erlebt wird, häufig zu einem Scheuklappenblick führt, suchen Topmanager und Consultants immer häufiger Impulse aus anderen Zünften als der eigenen.






















Nur die gut ausgewählten und aktiv mitgeknüpften Netzwerke können wie ein Karriere-Trampolin wirken - während man sich im falschen Netzwerk veritabel verstricken kann.

Schließlich: Für erfolgreiches Networking sollte man nicht nur sein Bankkonto, sondern auch andere Menschen mögen.




31.7.06 17:46





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